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Aus BUDDHISMUS AKTUELL 3/06
Kein Kommen, kein Gehen, kein Vorher, kein Danach. Ich halte dich nah bei mir, ich gebe dich frei von mir,
denn ich bin ja in dir und du bist in mir.
Ein Leben für den Sangha Erinnerungen an Amoghavajra Karl Schmied (1933 - 2006)
Als ich Karl Schmied zum ersten Mal begegnete, war er auf der Suche
nach einer Gemeinschaft, wo er die Lehre des Buddha kennen lernen und
praktizieren konnte. Nie zuvor habe ich einen Menschen erlebt, der bei
einem ersten informativen Gespräch seine Fragen so präzise und
zielsicher stellte und der sich so geradlinig und in atemberaubendem
Tempo auf den Weg machte. Schon wenige Monate später nahm er im August
1979 Zuflucht zu den Drei Juwelen und wurde Mitglied der Freunde des
„Ordens Arya Maitreya Mandala“, der 1933 von Lama Anagarika Govinda
gegründet worden war.
Mit großer Entschlossenheit widmete sich Karl Schmied dem Studium und
der Praxis des Buddha-Dharma und eignete sich sehr schnell ein
umfangreiches buddhistisches Wissen an. Er bekräftigte seinen
Entschluss, den Weg des Buddha zu gehen, im Juli 1980 durch die
Aufnahme einer Kandidatur für diese Ordensgemeinschaft. Noch als
Kandidat gründete er im September 1981, beflügelt und inspiriert von
einer persönlichen Begegnung mit Lama Govinda, den „Buddhistischen
Kreis Stuttgart“, der schon 1982 Mitglied der DBU wurde. Seine
Ernsthaftigkeit und sein unermüdlicher Einsatz für den Dharma führten
schon zwei Jahre später im August 1982 zu seiner Aufnahme in den Orden
„Arya Maitreya Mandala“ und zur Ablegung des Bodhisattva -Gelöbnisses.
Bei dieser Gelegenheit erhielt er auch seinen Dharma-Namen Amoghavajra,
der ihm für sein Ideal des karmafreien Handelns Leitbild geworden war.
Neben der Leitung des „Buddhistischen Kreises Stuttgart“ engagierte er
sich für den Orden AMM aber auch als Mitglied des Stiftungsrates der
„Lama und Li Gotami Govinda Stiftung“. Im Jahr 1991 wurde er zum
Dharmacarya des Ordens Arya Maitreya Mandala ernannt, dem er bis zum
Jahr 2005 angehörte. Als
Präsident der Deutschen Buddhistischen Union (1984 - 1988), der damals
16 Gemeinschaften angehörten, ergriff Karl Schmied die Initiative zur
Gründung einer „Buddhistischen Religionsgemeinschaft in Deutschland“
(BRG), für die er die staatliche Anerkennung als Körperschaft des
öffentlichen Rechts anstrebte, um so die rechtliche Gleichstellung mit
den christlichen Kirchen zu erlangen. Obwohl dieser erste Versuch
fehlschlug, weil den Behörden die Mitgliederzahl der BRG zu gering und
die Gewähr der Dauer nicht gegeben schien, gelang es Amoghavajra
dadurch, in der DBU einen Entwicklungsprozess einzuleiten, der nicht
nur zur Erarbeitung eines gemeinsamen „Buddhistischen Bekenntnisses“
führte, sondern auch zu einem freundschaftlichen innerbuddhistischen
Dialog.
Sein ganz persönliches Verdienst aber war 1986 die Einrichtung – und
nicht selten auch die tatkräftige finanzielle Unterstützung – der
Geschäftsstelle in München, auf die heute niemand mehr verzichten
möchte. Er nahm aber auch begeistert Tom Geists Anregung auf – dieser
leitete damals die Geschäftsstelle – eine Zeitschrift zu gründen, die
ein Forum für alle in der DBU vertretenen Traditionen werden sollte. So
erschien im Frühjahr 1987 die erste, noch sehr bescheidene Ausgabe der
„Lotusblätter“. Agganyani, die fast 10 Jahre lang die Geschäftsstelle
leitete, erinnert sich: „Amoghavajra war es, der mich 1984 tief und
dauerhaft für die Idee der DBU begeisterte.“ Diese Fähigkeit, Menschen
für den Dharma zu begeistern, öffnete ihm und dem Buddhismus in
Deutschland viele Türen. Im Jahr 1995 wurde er in Würdigung seiner
Verdienste um die DBU von der Mitgliederversammlung zum Ehrenrat
ernannt.
Fast genau 10 Jahre nach seiner Zufluchtnahme im AMM begegnete er Thich
Nhat Hanh und wusste vom ersten Augenblick an: „Das ist mein Lehrer.“
Er war tief beeindruckt von der spirituellen Kraft und Ausstrahlung
dieses Mannes und seiner stillen und bescheidenen Art. Sein Freund und
Weggefährte Karl Riedl schreibt über diese Zeit: „Sein Weg mit Thich
Nhat Hanh war für Karl die längste und prägendste Phase seines
spirituellen Weges. Fortan war er ein ergebener Schüler, der keine
Gelegenheit ausließ, von Thay den Dharma zu hören, mit ihm zu
praktizieren und ihn auf fast allen Auslandsreisen zu begleiten. Über
die Jahre verband sie eine immer enger werdende Freundschaft. Als Thay
vor ein paar Wochen erfuhr, wie krank und schwach Karl schon war,
besuchte er ihn in Fischbachau und verbrachte einige Tage mit ihm! Karl
machte die von Thay vermittelte Praxis zu „seiner“ mit aller
Überzeugung und voller Begeisterung geübten Praxis, die er vielen
Menschen weitervermittelte. Bis 2003 hat er den Intersein-Orden
aufgebaut und geleitet sowie die Zeitschrift Intersein gegründet.
Der Sangha, das dritte Juwel, wurde für ihn die stärkste Kraft in
seinem spirituellen Leben. Unter seiner Leitung bildete sich die
„Gemeinschaft für achtsames Leben“ in München, hier hatte er
spirituelle Weggefährten und Freunde, die auch persönliche Freunde
wurden. Mit ihnen gründete er 1992 den Maitreya Fonds. Er entdeckte
durch die tiefe Verbindung mit Thay seine Liebe zu Vietnam und sein
Herz öffnete sich dort den Armen, Kranken und Hungernden. Oft war er
selbst vor Ort, wurde von den Menschen berührt und berührte sie selbst
mit seinem Mitgefühl, seiner Hingabe und Opferbereitschaft. Durch seine
Initiative wurden dann im Jahre 1998 das Intersein-Zentrum in Hohenau
als ein Praxiszentrum für Laien und 2004 das Praxiszentrums „Quelle der
Achtsamkeit“ am Schliersee in Oberbayern gegründet. Und so ist auch an
diesen Orten sein Geist spürbar und sein Bemühen und seine Begeisterung
werden fortgesetzt.“
Wir verdanken ihm viel! Möge sein Beispiel uns inspirieren, damit wir
als eine große Gemeinschaft von Praktizierenden dem Buddha-Dharma in unserem Lande eine Heimat geben.
Vajramala (Vorsitzende der Deutschen Buddhistischen Union)
„Lieber Karl, kein Kommen, kein Gehen, du wirst immer bei uns sein.“ Nachruf der Sangha auf Amoghavajra Karl Schmied
“No
coming, no going, you will always be with us” so schreibt Thich Nhat
Hanh an Karl. Und weiter: „Du hast das getan, was du immer tun wolltest
und das, was zu tun war, für dich, für deine Lieben, für deine Ahnen,
für den Sangha und für den Dharma“. Tatsächlich hat Karl Schmied viele
Jahre sein Leben dem Dharma und der Hilfe für Vietnam gewidmet.
Der Maitreya Fonds, ein Hilfsfond für notleidende Kinder, alte Menschen
und Leprakranke in Vietnam, wurde 1992 ins Leben gerufen. Es war sein
großes Anliegen zusammen mit Freunden ein wenig Linderung in dieses
Land zu bringen. Karl
Schmied ist am 7.Mai 2006 nach schwerer Krankheit ganz friedlich in die
große Verwandlung eingetreten. Seine Frau und seine Tochter waren bei
ihm. Bis zuletzt war er mit uns, seiner Sangha, zusammen. Am 29.
April begleitete er im Praxis- und Meditationshaus „Quelle der
Achtsamkeit“ noch sechs Freundinnen und Freunde beim Eintritt in den
Orden Intersein, wobei er es sich nicht nehmen ließ, mit seiner schon
recht schwachen Stimme, jedem ganz ausführlich seine Urkunde
vorzulesen. Es war sein Abschied von der Sangha, die mit ca. 60
Freundinnen und Freunden zusammengekommen war.
Ursula Hanselmann für den Sangha
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