Starthilfe in der Achtsamkeit
Wechselnde Übungen zum Sofort-Mitmachen, können hier und jetzt ausprobiert werden:

(Quelle: Auszüge aus dem Buch von Karl Schmied: "Kein Weg - nur Schritte", Theseus Verlag)

Der erste Schritt soll die Übung des Anhaltens sein:

Ich bin angekommen
Ich bin zu Hause

Ich bin im Hier
Ich bin im Jetzt

Ich bin gefestigt
Ich bin frei

Im Buddha-Land verweile ich
 

Unsere erste Übung ist die Konzentration auf das Meditationsobjekt des "Zu sich nach Hause Gehens". Sie begleitet mich seit vielen Jahren. Die folgenden 4 Stufen vergegenwärtige ich mir mehrmals am Tag. Sie sind das Konzentrat meiner Bemühungen, mit oft schwierigen Alltagssituationen umzugehen und erneut zum bewussten Atmen zu finden.
 

Ich bin angekommen
Ich bin zu Hause
 

Es ist wunderbar immer wieder neu zu entdecken, was es bedeutet, schon angekommen zu sein, das ständige Suchen und Umherjagen endlich aufzugeben - nicht mehr in der Angst leben zu müssen, etwas Wichtiges zu versäumen oder erwerben zu müssen - zu erkennen, daß es darum geht, freizusetzen und nicht weiterhin außerhalb von uns zu suchen und durch Stille, Konzentration und Achtsamkeit sich dem anzunähern, was seit anfanglosen Zeiten unsere eigene unverlierbare, unzerstörbare, tiefste Natur ausmacht.

Wir können uns vorstellen, wir seien ein Haus mit fünf Fenstern und einer Tür (d.h. den sechs Sinnesorganen und den dazugehörenden Bewußtseinsarten), die es zu schließen gilt, wenn der Sturm durch die offenen Fenster und Türen braust, die dann überall verstreuten Papiere (unsere Gedanken und Empfindungen) zu ordnen und ein Kaminfeuer anzumachen, sein Licht und die Wärme zu genießen und die Geborgenheit mit starker Intensität zu fühlen.

Dieses Bild und die damit verbundenen Gefühle, die Freude, mein Lächeln rasch, gerade in schwierigen Situationen des Alltags entstehen lassen zu können, ist ein wichtiges Ergebnis der meditativen Übung. Ich kann mir erlauben, mit einem Schritt aus einer kritischen Lage herauszutreten, zu meinem bewußten Atem zurückzukehren und für ein paar Momente "nach Hause zu gehen". Dadurch lerne ich immer öfter, bei mir und nicht außer mir zu sein.

Wir haben unser Zuhause in Meditationsseminaren gemalt, um unser Gefühl, unsere Schauung im Bild auszudrücken und um zu entdecken, was es bedeutet, tief zu empfinden, bei sich daheim zu sein, nicht mehr abhängig von äußeren Umständen, bestimmten Menschen und schwierigen Situationen.
 

Ich bin im Hier
Ich bin im Jetzt

In dieser Phase üben wir völlige Gegenwärtigkeit und Präsenz: jeden Gedanken, jedes Gefühl, zu erkennen, jede Bewegung bewußt auszuführen und somit wirklich gegenwärtig zu sein. Wir erleben dabei mit großer Dankbarkeit, wie unser Da -Sein eine ganz neue und intensive Qualität bekommt und unser Leben in seiner ganzen Fülle berührt.
 

Ich bin gefestigt
Ich bin frei


Nun erfahre ich, indem mein Atem bewußt in den Bauchraum, den Stamm (hara) meines Lebensbaumes geführt wird, jene tiefe Gelassenheit, Festigkeit und Stabilität, die meine Unruhe, Rastlosigkeit und die damit verbundenen Sorgen und Ängste allmählich verwandelt.

Dazu tritt der Aspekt der Freiheit, nämlich ein Freisein von Erinnerungen und belastenden Gefühlen aus Vergangenem sowie sorgenvollen und angstvollen Erwartungen auf Zukünftiges. Diese Freiheit, vom gegenwärtigen Moment ganz erfüllt zu sein, unbelastet von dem, was war und sein wird, bringt mir Zuversicht, die mit großer Freude und tiefer Dankbarkeit verbunden ist. Die Meditationsübung "Einatmend wird mir der gegenwärtige Augenblick bewusst, ausatmend erlebe ich ihn als einen wunderbaren Moment" ermöglicht mir die lebendige, konkrete Wirklichkeit zu vergegenwärtigen und mein Leben intensiv zu berühren.
 

Im Buddha-Land verweile ich


Selbst dieser Schritt, auf dem Meditationskissen oft geübt, kann im Alltag nachvollzogen werden. Die Erkenntnis, daß wir nicht nur Welle sind, sondern auch die Fähigkeit haben, das Wasser "des Ozeans des Lebens" in uns zu berühren, wird uns häufiger und tiefer die vier "Unermesslichen Geisteszustände" oder "Göttlichen Verweilungen" (brahmaviharas) - jene Kultur des Herzens, die uns Buddha mehrmals empfohlen hat - bewußt werden lassen.

Sie werden durch kontinuierliches Üben unser Denken, Reden und Handeln im Umgang mit Menschen und Situationen immer mehr leiten. Diese Qualitäten sind die der liebevollen Güte zu allem was existiert, des Mitgefühls also unserer Fähigkeit Leiden lindern zu helfen, der Freude und Mitfreude sowie des Gleichmuts, der parteilosen Zuwendung zu allen Wesen. Gleichmut schließt das Akzeptieren des "So-Seins" von Menschen, Situationen und Gefühlen ebenso ein, wie das Loslassen all dessen, woran wir anhaften, klammern und festhalten wollen. Die vier Eigenschaften, verbunden mit der Energie der Achtsamkeit, werden somit allmählich Teil unseres Wesens auf dem Weg zur Befreiung.